Altes aus der Festplatte, Januar 2010
Schulweg, Logbucheintrag
06:15, der Wecker klingelt, nichts geschieht. Ich schlafe. Fünfzehn Minuten später wird auch nichts passieren, denn ich döse immer noch. Nachdem ich um sieben Uhr aufwache, wird die Zeit knapp. Schnell anziehen und runter, in den Keller, das Fahrrad holen, das alles innerhalb von acht Minuten. Selbst im Winter wird die Alternative verwendet. Ich muss schnell sein, es ist kalt und es schneit. Es ist dunkel und der Wind weht den Schnee umher. Zitternd trete ich in die Pedale und kann meinen Bahnhof erreichen, wo ich das Fahrrad abstellen kann und in die warme Bahn einsteige, die zur Schule führt. Nach fast einer halben Stunde werde ich in der Nähe vom Bahnhof X aussteigen, von wo aus ich ca. 10 min wieder laufen muss, bis das Schultor erreicht ist.
Der Bodenfrostritt, ein literarischer Reisebericht
Heimwärts hat man durch die Plörre zu navigieren, mit dem ollen Kahn, alten Drahtesel. Denn die Sonne spielt mit dem Nachtfrost Katz‘ und Maus, die Wintersuppe zerfließt und erstarrt. Gleich einer verbeulten Spiegelfläche lässt mein Weg am frühen Morgen dem Aluminiumgespann keinen müden Halt. Hügellandschaften, gefrorene Schwellen verwehren mir den Weg. Den Buckel runter verläuft mir der beißende Schauder, spüre ich, die Eiszungen schleichen entgegen dem Schauder das bibbernde Kreuz empor.
Schläfernde Finsternis bedeckt den Himmel mit ihrer Daunendecke, und es scheint als rissen die Sterne jenes Tuch an allen Ecken auseinander. Denn es rieselt weiches Weiß.
Doch trügerisch das glänzend flauschige Daunen unterhalb der leuchtenden Laternenriesen, denn der Wind peitscht es mitleidlos mir ins Gesicht. Und ich sehe nichts.
Oder doch wohlwollend? Will mich fernab des Gestells; nicht tänzelnd über Glasflächen sehen? Väterchen Frost freut sich eine fiese Fratze ins Gesicht und ich friere fürchterlich voller Frust fürchtend um mich, Frauenzimmer.
Betend, doch mit dem wachsenden Mühsal umso mehr fluchend, kralle ich mich ans Lenker. Bringe die Mühle in Bewegung, sodass Räder samt Bau scheppern.
Bedenke, wogegen vollen Bewusstseins, es könne anders gehen. Doch Gehen zieht sich zu sehr in die Länge. Was tut man aus Zeitersparnis, zum eigenem Wohl, doch länger zu verbleiben im heimischen Bette.
Zu Fuß seis mir unbedroht - dies ist klar – doch Zeit ist Schlaf!
Die verbringt man zuliebst unter warmen Federn, anstatt marschierend auf kalter Strecke.
Oh sieh! Weiter kann es nimmer werden! Am Ende scheint doch immer ein Lichtlein, auch wenns das Bahnzeichen ist. Der Hof ist erreicht. Gut hast du gedient, Eisendrache. Schwer ists mit dir, zu diesen Gezeiten. Nicht bedingungslos dienst du mir, den Ritt über mäkelst du.
So ruhe nun, ich komme wieder.
